Reflexe Integrieren - Bewegen - Beraten -  Autismus - Entwicklung fördern - Handlungskompetenz erweitern 

Entwicklung fördern

ATNR

Ein anderer Reflex, der Schulkindern das Leben schwermacht, ist der Asymmetrisch-Tonische-Nackenreflex. Wendet das Baby den Kopf, löst der Reflex eine Streckung der Gliedmaßen auf der Gesichtsseite und eine Beugung der Gliedmaßen auf der Hinterhauptsseite aus. Diese Körperposition wird auch als Fechterstellung bezeichnet. Bleibt nun diese Reaktion bestehen, behindert sie beispielsweise das Krabbeln und die Entwicklung der Lateralität (Seitigkeit) sowie der Augenmuskelbewegungen (Augenmuskelmotorik) wird beeinträchtigt. Die Augen lernen in dieser Fechterstellung einen Gegenstand, den das Baby in der Hand hat, zu fixieren. Aber der nächste Schritt, die Loslösung der Augenbewegung von der Handbewegung kann nur unzureichend vollzogen werden, wenn der Reflex bestehen bleibt. Bleibt dann noch das Krabbeln aus, das unter Anderem den Wechsel von der Nah- zur Weitsicht trainiert, können sich keine fließenden Augenfolgebewegungen entwickeln und die Anpassung von der Nah -zur Weitsicht geht nicht mühelos vonstatten. Das Schulkind hat Mühe von der Tafel zum Heft zu schauen.

Blickt es auf den Heftrand, möchten sich die Finger, die den Stift halten öffnen und der Arm sowie das Bein wollen sich strecken. Das Schulkind hat zwar im Laufe von 6 bis 7 Jahren diese Streck - und Beugetendenz kompensiert, kann dem aber nicht völlig ausweichen. Also hält es den Stift verkrampft fest, dreht das Heft, legt sich fast auf den Tisch. Trotzdem macht es viele Fehler beim Abschreiben, weil es den Text nicht richtig erfassen kann, es ist unruhig und unkonzentriert, kann den Lernstoff nicht richtig erfassen, weil es mit seiner Haltung und Problemen beim Sehen kämpft.

Ein persistierender ATNR verhindert die Ausbildung der Lateralität (Seitenbevorzugung), da er sozusagen den Körper längs teilt und die Entwicklung Hemisphärenzusammenarbeit (Zusammenarbeit der beiden Gehirnhälften) stört.

Eine ausgeprägte Dominanz einer Hand, eines Fußes, eines Ohres und eines Auges ist wichtig für die Raumwahrnehmung, das Körperschema, die auditive (Hör-) und die visuelle (Seh-) Verarbeitung. Somit findet man hier eine mögliche Ursache für Lernprobleme.

 Das Schulamt Wetzlar berichtet, dass 85% der ihnen vorgestellten Kinder mit ADS eine Moro-Restreaktion zeigten und dass bei fast allen Kindern mit LRS eine deutliche ATNR-Reaktion zu sehen war (BEIGEL, D: „Flügel und Wurzeln“, vml, Dortmund 2003).

Dies sind nur kleine Beispiele aus der Fülle vorliegender Erkenntnisse, wie sich bestimme Frühkindliche Reflexe auf das Lernen und Verhalten auswirken können.

Die Erforschung dieser Zusammenhänge eröffnet die große Chance, Möglichkeiten zu finden den Betroffenen zu helfen.