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Entwicklung fördern


Der Furcht-Lähmungs-Reflex (FPR)

 

Der FPR tritt intrauterin (in der Gebärmutter) in der 5. Lebenswoche des Embryos auf. Er soll ab der 9. embryonalen Lebenswoche vom Moro-Reflex abgelöst werden. Er wird als Schreckreflex durch Umweltreize ausgelöst.

 Der Embryo zieht sich als Antwort auf Berührung zurück. Sobald er dazu in der Lage ist, wendet er den Kopf ab und die Augen schließen sich.

Möglicherweise ist der Rückzugsreflex ein Vorläufer des Tauchreflexes, der eine Bradykardie (langsamer Herzschlag) und dadurch die Verlangsamung des Stoffwechsels auslöst, um das Gehirn vor Sauerstoffmangel zu schützen.

Er wir in Verbindung gebracht mit dem Erstarren mancher Tierjunge (Kaninchen), die sich bei Gefahr durch Bewegungslosigkeit schützen. 

Wenn der FPR nicht vollständig vom Moro-Reflex abgelöst wird, entwickelt sich die reife Schreckreaktion (Strauss-Reflex) nur unvollständig. Nach GODDARD (2003) kann nur ein vollständig entwickelter Moro-Reflex die Rückzugsreflexe hemmen, ansonsten bleiben beide Reflexe aktiv.

Die spätere Reaktion besteht aus einem Erstarren (Bewegungsunfähigkeit und Unfähigkeit zu Sprechen, erschwertes Schlucken) mit Bradykardie, Atemstillstand, Absinken des Blutdrucks und der Temperatur) Erschlaffen des Muskeltonus (Muskelspannung), und extremer Angst. Die Reaktion kann so stark werden, dass lebensbedrohende Zustände wie Schock, die Unfähigkeit auszuatmen oder Ohnmacht auftreten können. Der plötzliche Kindstod ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine Folge der FPR-Reaktion.

Bei Erschrecken durch auditive (das Gehör betreffend), taktile (Berührungs-), propriozeptive (die Tiefen- oder Eigensensibilität betreffend) oder visuelle (das Sehen betreffend) Reize, wird die Person blass, kurzer Atemstillstand beim Ausatmen, der Herzschlag verringert sich, der Blutdruck fällt ab und sie ist nicht in der Lage, sich zu bewegen. Der Muskeltonus ist verringert und das Schmerzempfinden herabgesetzt. Der FPR ist nicht durch den Kortex (Großhirnrinde = Bewusstsein) zu kontrollieren, er ist auf der subkortikalen (unbewusst) Ebene aktiv (KAADA in GODDARD, 2003).

 

Die Angstschwelle ist erniedrigt und die Person hat eine hohe Stressschwelle. Das überschießende Erleben von Schreck versetzt insbesondere das Kind in einen Zustand der Angst vor der Angst. Die Reaktion des Erstarrens mit kurzer Atemlähmung und der Unfähigkeit zu reagieren, ist äußerst unangenehm und rückt die Person in die Nähe des Todes.

 Mögliche Folgen eines persistierenden (fortbestehenden) FPR sind Hypersensitivität auf Berührung, auf auditive Reize, manchmal nur auf bestimmte Frequenzen, auf plötzliche visuelle Reize sowie auf olfaktorische (Riechen) und gustatorische (Schmecken) Reize. Da das Gehirn solcherart tiefe Erlebnisse abspeichert, kann schon die Erinnerung an ein mit großer Angst besetztes Erlebnis in Form eines bestimmten Geruchs oder Geschmacks die Schreckreaktion aktivieren. Das Leben in erhöhter Alarmbereitschaft ist anstrengend, deshalb ermüden solche Personen leicht, was wiederum seine Kompensationsfähigkeit herabsetzt, sodass die Reflexreaktion leichter ausgelöst wird.

 Auch Situationen, nicht nur Schreckmomente, die den Menschen mit einem persistierenden FPR ängstigen, lösen eine Erstarrungsreaktion aus. Die Person kann nicht mehr sprechen, ist unfähig adäquat zu handeln, die kognitiven (vernunftmäßigen) Leistungen brechen zusammen. Möglicherweise beginnen die Hände und die Knie zu zittern, Schweiß bricht aus, trotzdem friert die Person, da sich die Gefäße verengen.

  

Bei fortbestehendem FPR entwickelt das Kind (und entsprechend der Erwachsene) Verhaltensauffälligkeiten wie Ängste (Schulangst, Trennungsangst), Unfähigkeit auf bedrohliche Situationen zu reagieren, Konfliktvermeidung, Hypochondrie, Lebensangst, endogene Depression, Selbstmordgedanken, emotionale Starre, d.h. die Person kann Gefühle nicht zeigen.

  

Folgen eines gering ausgeprägten persistierenden FPR sind die Tendenz Situationen kontrollieren zu wollen, ungewisse Situationen, Herausforderungen und Konflikte zu vermeiden, die Unfähigkeit im Konflikt adäquat zu reagieren, Beschäftigung mit sich selbst, Zukunftsangst, Sorgen, geringes Selbstwertgefühl. Der FPR geprägte Mensch bezieht seine Identität aus dem, wie andere auf ihn reagieren. Er hat ein unsicheres Lebensgefühl, da er sich selbst in Unsicherheit bezüglich der eigenen Person, der eigenen Reaktionen und der eigenen Gefühle sowie bezüglich seiner Umwelt, die er oft als bedrohlich empfindet, erlebt. 

 

Da der Moro-Reflex zu schwach ausgeprägt war, um den FPR zu hemmen, ist auch er nicht integriert und bleibt ebenfalls bestehen. So ist es möglich, dass abhängig von der Situation und des Persönlichkeitsprofils des Menschen die eine oder die andere Schreckreaktion ausgelöst werden kann.

Durch bewusste Kontrolle ist es manchmal möglich, die den Moro oder den FPR zu unterdrücken, ansonsten kommt es zur Überreaktion bis zu Handlungsunfähigkeit (FPR) mit resultierendem selektivem Mutismus.

 

Die Unfähigkeit in bestimmten Situationen zu sprechen ist unter dem Begriff „selektiver Mutismus“ bekannt. Der synonyme Begriff „elektiver Mutismus“ wird nicht mehr verwendet, da die Person die Sprachlosigkeit nicht gewählt hat. Sie hat keine Wahl des Verhaltens. Nach GODDARD (2003) stellt der selektive Mutismus eine Sonderform des Autismus dar. 

 

Weitere Folgen der missglückten Hemmung des FPR im Zusammenhang mit dem Moro-Reflex sind im Kapitel  „Der Moro-Reflex“ beschrieben, da beide, wie oben ausgeführt miteinander verbunden sind.

 

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