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Entwicklung fördern


 

Der Moro-Reflex

 

Der Moro-Reflex ist ein Schreckreflex (psychisch-physischer Reflex). Er gehört zu den intra-uterinen und Geburtsreflexen. Er entsteht in der 9. SSW und hat die Aufgabe den FPR intrauterin zu hemmen. Der Moro-Reflex wird durch Umweltreize ausgelöst.

Im 2.-4. Lebensmonat wird er gehemmt. Es entwickelt sich die reife Schreckreaktion, der Strauss-Reflex.

 Durch plötzliche, unerwartete Reize (vestibulär (das Gleichgewichtssystem betreffend), auditiv, visuell, taktil, olfaktorisch) ausgelöste Schreckreaktion:

 Erregung mit Anstieg der Atemfrequenz, Beschleunigung des Herzschlages und Ansteigen des Blutdruckes, Erröten, schnelles Einatmen, kurzes Erstarren oder Aufschrecken. Die Arme sind abduziert, die Hände geöffnet, die Finger abgespreizt und der Kopf geht in den Nacken. Der zweite Teil der Mororeaktion besteht aus dem Zusammenführen der Arme und Schließen der Hände und Finger begleitet von Ausatmen mit Schrei.

 

Es wird die Kampf oder Fluchtreaktion ausgelöst (Freisetzung der Hormone Adrenalin und Cortisol), für das Baby ist es der Hilfeschrei und das Anklammern durch die Adduktion der Arme und Schließen der Fäuste. Möglicherweise folgt dem ein Gefühlsausbruch (Weinen oder Äußerungen der Wut).

Der Moro-Reflex wird in den Strauss-Reflex, die reife Schreckreaktion integriert.

 Der Moro-Reflex ist der einzige Reflex, der umfassend auf den ganzen Körper und auch auf die psychische Verfassung Einfluss hat. 

So wirkt sich das Persistieren des Moro-Reflexes auf das weitere Reflexgeschehen des Kindes aus, sodass auch andere Reflexe sich abweichend entwickeln, er beeinflusst die motorische und sensorische Entwicklung und  die psychische Befindlichkeit des Kindes.

 Das „Moro-Kind“, wie auch der „Moro-Erwachsene“ reagieren hypersensitiv auf Stimuli einer oder mehrerer Sinneskanäle. Es erfolgt eine für die Umwelt unverständliche Überreaktion auf Reize des vestibulären, auditiven, visuellen, olfaktorischen oder taktilen Systems.

 

Die spätere Moro-Reaktion besteht aus der sofortigen Erregung mit schnellem Einatmen und Ausatmen, Tachykardie (schneller Herzschlag), Ansteigen des Blutdrucks und der Körpertemperatur, Erröten, hektische Bewegungen, Mundtrockenheit, und Auslösung der „fight or flight- Reaktion“ ® Adrenalin und Cortisol wird freigesetzt und der Sympathikus aktiviert.

Daraus folgt eine stete Alarmbereitschaft in die „fight or flight“ – Reaktion zu stürzen. Die Stresshormone Adrenalin und Cortisol verstärken die Sensibilität und das Reaktionsvermögen noch.

Die innere Anspannung lässt das Kind schnell müde werden, es ist nicht so ausdauernd, außerdem werden seine Glukosespeicher schnell leer, so dass es oft Hunger oder auch Heißhunger auf Süßes verspürt.  

Das Moro-geleitete Kind entwickelt Strategien, um mit den Überreaktionen leben zu können:

 Eine Möglichkeit ist der Rückzug in Schüchternheit und Kontaktscheue, die andere Möglichkeit ist die Flucht nach vorn in aggressives, dominantes Verhalten.

Gemeinsam sind beiden die Unreife und der Wunsch, Situation zu kontrollieren und Unvorhergesehenes zu vermeiden. Es hat eine schlechte Figur-Grund-Wahrnehmung in allen sensorischen (die Sinne betreffend) Bereichen und verhält sich deshalb stimulusgebunden (kann sich von einem Reiz, z.B. Vogel am Fenster, Bild an der Wand, nicht lösen).

Wie das autistische Kind hält es seine Aufmerksamkeit mehr auf die Peripherie (Randbereiche) des Sehens gerichtet. Die ist beim Moro-Kind allerdings im Gegensatz zum autistischen Kind vor allem in den ersten zwei bis vier Lebensmonaten der Fall. Bleibt die Tendenz zum peripheren Sehen erhalten, macht es dem Kind große Mühe, den Blick auf das Zentrum gerichtet zu halten. Es ist leicht ablenkbar. 

Weitere Folgen der mangelhaften Hemmung des Moro-Reflexes sind Probleme im Bereich des Gleichgewichtssystems. Das Kind hat Schwierigkeiten beim Balancieren, seine Bewegungen sind nicht gut koordiniert, es leidet unter Reiseübelkeit.

Die beeinträchtigte Augenmuskelmotorik und die veränderte Pupillenreaktion haben eine schlechte Nachtsicht und eine höhere Lichtempfindlichkeit zur Folge. Das ermüdet schnell beim Schreiben oder Lesen bei Neonlicht.

Die Greifmuster werden durch das Fingerspreizen während der Moro-Reaktion auch beeinflusst.

Durch die erhöhte Abgabe der Stresshormone Cortisol und Adrenalin wird das Immunsystem geschwächt, so dass das Kind möglicherweise häufig krank ist und unter Allergien leidet.

Die überschießende Schreckreaktion bewirkt Ängstlichkeit bis hin zu Panikattacken und Unsicherheit. das Kind hat ein schwaches Selbstwertgefühl und ist unausgeglichen. Es kann Kritik nicht gut vertragen und versucht durch Perfektionismus dem aus dem Weg zu gehen oder es resigniert und lässt sich lieber auf die vorhersehbare Kritik ein, als auf  eine unvorhersehbare Reaktion.  (Z.B. in der Schule gibt es sich keine Mühe mehr, um der Enttäuschung, es doch nicht gut genug gemacht zu haben zu entgehen.) Seine Unsicherheit zeigt sich in einem hohen Muskeltonus® Muskelpanzer. Die „Gespanntheit“ macht ist auch äußerlich bemerkbar.

 

Im Zusammenhang mit dem FPR hat der Moro-Reflex Einfluss auf die gesamte Persönlichkeit des Menschen und seine Lebensgestaltung. Da Angst, auch Angst vor der Angst sein Verhalten bestimmt, entwickelt die Person Strategien Konflikten, Kritik und unsicheren oder nicht vorhersehbaren Situationen auszuweichen oder diese zu entschärfen. Das Kind fragt bis ins Detail nach, was nun in einer geplanten Aktion passieren wird. Es besteht ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis, das sich in dem Wunsch „für alles gerüstet zu sein“ ausdrückt. Kritik, auch Selbstkritik im Vergleich mit anderen wird durch Perfektionismus, Originalität, bzw. dem Versuch, eigene, einzigartige und somit nicht vergleichbare Wege zu gehen begegnet. Kann solch eine Strategie nicht aufgebaut werden, versucht die Person Anforderungen zu umgehen und bleibt so immer unter ihren Möglichkeiten, oder es bleibt der Rückzug in das wenigstens berechenbare, vorhersehbare Versagen.

Der Umgang mit dem eigenen Körper ist ebenfalls von Unsicherheit geprägt, so dass Kleinigkeiten, als Krankheitsanzeichen gewertet werden und die Person ängstigen (Neigung zu Hypochondrie).

Im sozialen Umfeld macht die Suche nach Sicherheit und Geborgenheit einerseits und die Angst, enttäuscht zu werden andererseits der Person große Probleme. Unreife Kindlichkeit oder Naivität bietet sich an, ausgenutzt, ausgelacht und nicht ernst genommen zu werden. Die Person wird enttäuscht und zieht sich verletzt zurück oder reagiert aggressiv, was die Probleme vergrößert.